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Wie die Zeitungen wieder mehr Abonnenten gewinnen können

Neulich erreichte mich ein Werbebrief meiner regionalen Tageszeitung. Sie wollten mich mal wieder für ein Probeabonnement gewinnen. Ich dürfte die Zeitung sechs Wochen für den Preis von vier Wochen lesen und somit 35% sparen.
Ich würde jeden Morgen das Wichtigste aus der Region und der ganzen Welt lesen können! Die Zeitung hätte jetzt noch mehr Übersichtlichkeit und eine bessere Lesbarkeit durch ein optimiertes Layout! Und wenn ich mich jetzt umgehend entscheiden würde, dann erhielte ich auch noch eine hochwertige Porzellantasse. Eine Antwortkarte lag dem Schreiben bei – und wanderte mit dem Anschreiben in den Papierkorb. Bei näherer Betrachtung sollte ich einmalig für sechs Wochen 29,90 € bezahlen und danach monatlich 31,45 €!

Das Abonnement kostet also 376 € im Jahr! Passt das noch in die heutige Zeit? Zum Vergleich: Ein Kabelfernseh- Anschluss kostet ca. 120 € pro Jahr, je nach Anbieter und Leistungsumfang. TV-Streaming von Zattoo kostet 99,99 € (Basis-Angebot) im Jahr. Und selbst unbegrenztes und individuelles Radiohören kostet bei Spotify aktuell 129,88 € pro Jahr.

Also warum kostet ein Tageszeitungs-Abonnement so viel Geld? Neben den erwähnten Gebühren verdient der Verlag ja durch Anzeigen und Beilagen. Zusätzlich zu den Vertriebseinnahmen. Zugegeben, Rubriken-Anzeigen sind dort stark zurückgegangen, oder gänzlich in den einschlägigen Internetportalen verschwunden. Aber müsste nicht mal eine Preisanpassung nach unten stattfinden, damit die Verbraucher auch weiterhin eine Tageszeitung (in Papierform) nutzen!?

Und überhaupt, Sind die Leser von heute und morgen nicht schon jetzt mit Computern, Tablets und Mobilfunk-Geräten ausgerüstet, und nutzen sie nicht schon jetzt unterschiedlichste Nachrichtenquellen im Internet? Das führt mich zu der Frage, was eigentlich ein reines Online-Abonnement bei diesem Verlag kostet? Ergebnis: Immerhin stolze 22,89 € im Monat, also 274,68 € im Jahr! Circa zwei Drittel eines Print-Abonnements! Irgendwie passt das mit den anderen Medien-Angeboten im Internet nicht richtig zusammen, wo sich diese doch steigender Beliebtheit erfreuen.

Ich persönlich glaube nicht mehr daran, dass sich so hohe Abonnement-Gebühren in der Zukunft noch länger durchsetzen lassen. Doch was können Zeitungs-Verlage tun, um ihren Auflagenverfall zu stoppen, oder diesem gar entgegenzuwirken? Müssen sie ein neues Geschäftsmodell etablieren, um wieder neue Abonnenten für eine Tageszeitung zu gewinnen?

Rufen wir uns doch einmal die Situation auf dem Markt für Schweizer Armbanduhren in den 80er Jahren ins Gedächtnis zurück, und repetieren, was ich dort abgespielt hat.
Schweizer Uhren galten zu dieser Zeit als besonders hochwertig, ganggenau, und wurden sehr stark nachgefragt, bevor die ersten LCD-Uhren auf dem Markt kamen. Daraufhin schrumpfte der Markt für Schweizer Uhren beträchtlich. Viele (Schweizer) Uhrenhersteller verschwanden vom Markt, bis ein Mann namens Nicholas Hayek als Unternehmensberater hinzugeholt wurde. Nach dem er die Lage analysierte, hatte er eine verrückte Idee! Eine Uhr aus Schweizer Produktion sollte nur noch 65 DM kosten, und so ganggenau sein, wie die neuen Digital-Uhren aus Japan!
Nachdem er zunächst dafür heftig beschimpft wurde, und viele die Umsetzung für unmöglich hielten, machten sich einige Uhrmacher ans Werk! Heraus kam eine digitale Uhr mit analoger Anzeige und weniger als 100 Teilen, zu einem Ladenverkaufspreis von 65 DM! Die Uhr hieß Swatch, und wurde eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte!

Wie lässt sich diese Disruption und Selbstkanibalisierung auf die Tageszeitungen übertragen? Die Leser wollen durchaus tages- (stunden-) aktuelle Nachrichten aus ihrer Region erhalten, doch ist allein schon der Preis dafür ist nicht mehr zeitgemäß. Die alternativen Möglichkeiten der Nachrichtenbeschaffung im Internet sind heutzutage fast unbegrenzt. Um also den Lesern ein attraktives Angebot zu unterbreiten, sollten sich Tageszeitungs-Verlage radikal verändern, und nach einer Übergangsphase nur noch digitale Abonnements anbieten!
Wenn Zeitungsverlage keine riesigen Druckmaschinen mehr betreiben müssen, und auch nicht täglich Tonnen an Papier verbrauchen würden, könnten sie mit den eingesparten Kosten durchaus die redaktionelle Qualität erhalten und trotzdem Geld verdienen. So ein elektronisches Abonnement dürfte, wenn es viele Menschen nutzen sollen, nicht mehr als zehn Euro im Monat kosten!

Anzeigen und weitere Werbeformate, wie Beilagen könnten in ein ePaper integriert werden. Bestellungen von Produkten aus den Beilagen und Anzeigen könnten direkt mit einem Mausklick vorgenommen werden, und die Verlage könnten daraus eine Provision beanspruchen – und hier zusätzlich verdienen. Gleichzeitig wären die Wirkungen der Werbemaßnahmen auch viel besser messbar, und brächten der regionalen Werbung die erodierte Werbewirksamkeits-Glaubwürdigkeit zurück. Viele Tageszeitungs-Verlage halten allerdings nach wie vor an ihrem bestehenden Produktions- und Vermarktungskonzept fest, und laufen so ihrem Tod auf Raten immer schneller entgegen.

 
 

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